Wenn die Honigbienen wieder erwachen
- Angela Hachmeister
- 19. März
- 2 Min. Lesezeit
Es gibt einen Tag im Frühling, der mich jedes Jahr glücklich macht: Am ersten wärmeren Tag erwacht unser Bienenstock zu neuem Leben. Im Winter liegt er da wie tot, aber jetzt krabbeln die ersten Bienen aus dem Flugloch, wie schlaftrunken nach der Winterruhe. Sie fliegen ein paar kleine Runden und beginnen ihr neues Bienenjahr. Bald wird wieder reges Gewusel am Flugloch herrschen. Manchmal sitze ich einfach davor und beobachte die Bienen, die wie kleine Raketen losschießen, um später, beladen mit Pollen, wieder einzuschweben - ein ständiges Kommen und Gehen, Krabbeln und Summen.
Die Strategie der Honigbienen gegen Kälte
Aber wie überstehen Bienen überhaupt den Winter? Bevor ich selbst Bienen hatte, habe ich mir darüber nie Gedanken gemacht. Dabei ist die Strategie der Honigbienen faszinierend. Während bei nah verwandten Insektenarten wie Wespen oder Hummeln nur die Königinnen überwintern, ist es bei den Honigbienen das ganze Volk. Die „Winterbienen“ leben mehrere Monate und halten ihr Volk bis zum Frühjahr am Leben.
Die größte Herausforderung für die kleinen Tierchen ist es, die Temperatur im Stock aufrecht zu erhalten. Dafür bilden die Bienen eine sogenannte Wintertraube: eine lebendige Kugel aus Bienen. So ist der Temperaturverlust am geringsten. Im Inneren der Kugel ist es kuschelig warm, dort sitzt die wertvolle Königin, die das Überleben des Volkes sichert. Die Arbeiterinnen wechseln sich ab, wem am äußeren Rand der Kugel zu kalt wird, darf ins Innere krabbeln und sich aufwärmen. Fällt die Temperatur im Stock unter 20 Grad, werfen die Bienen ihre Heizung an: Sie zittern mit ihren Brustmuskeln und erzeugen so Wärme. Bis zu 30 Grad kann es dann rund um die Bienentraube werden. Für diese energieaufwendige Tätigkeit benötigen sie Honig als Treibstoff. Deshalb sammeln Bienen im Laufe des Sommers mehrere Kilo Honigvorräte in ihrem Stock an.
Darum sind auch andere Bestäuber wichtig
Dieses solidarische Verhalten macht Honigbienen noch sympathischer. Sie sind fleißig, bauen wunderschöne Waben und sorgen für leckeren Honig. Und sie sind als Bestäuberinnen ein wichtiger Bestandteil von Ökosystemen, auch im Garten. Doch so beeindruckend das Leben der Honigbienen auch ist – sie sind nur ein kleiner Teil eines komplexen Netzwerks von Bestäubern. Wenn es heißt, wir müssen „die Bienen retten“, sollten wir immer auch an all die Wildbienen, Hummeln, Wespen und andere Insekten denken. Denn Honigbienen allein könnten niemals alle Pflanzen bestäuben. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wenn im Frühjahr die Apfelbäume blühen, sind Honigbienen unzuverlässige Bestäuberinnen. Sie verlassen ihren Stock erst, wenn es wärmer als zwölf Grad ist - und wenn es regnet, bleiben sie lieber zu Hause. Dann sind Hummeln und frühe Wildbienen zur Stelle, denen auch raueres Wetter nichts ausmacht.

Es braucht eine große Vielfalt von bestäubenden Insekten für ein stabiles Ökosystem. Gemeinsam sorgen sie für stabile Erträge und den Erhalt der Pflanzenvielfalt. Je mehr Hummeln, Wildbienen, Fliegen, Wespen, Käfer und andere Insekten sich in Gärten und der freien Natur tummeln, desto widerstandsfähiger sind die Ökosysteme.
Warum Insekten nicht nur wichtig als Bestäuber sind, sondern auch unsere Welt am Laufen halten, erzähle ich euch in einem späteren Post.
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